Autorin: Ulla Pink-Theofylaktopoulos
Im Auftrag von ARCHEMED – medizinische Hilfe für Kinder in Not e.V.
Das „Augenprojekt“ an der Berhan Aini Augenklinik in Asmara wurde vor 12 Jahren von Gesine Schwerdtfeger ins Leben gerufen. Im November 2025 sind wir erneut nach Eritrea aufgebrochen. Unser Team bestand aus zwei Orthoptistinnen, Gesine Schwerdtfeger, (Hamburg), Ulla Pink-Theofylaktopoulos (Köln) und Dr. Rolf Wojnar, Augenarzt aus Nürnberg.
ARCHEMED ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit vielen Jahren in Eritrea mit dem Ziel, medizinische Hilfe zu leisten, Wissen weiterzugeben und nachhaltige Strukturen aufzubauen, engagiert. ARCHEMED realisiert etwa 25 unterschiedliche Projekte, die meisten davon in Eritrea. Mehr Informationen über die Organisation kann man unter https://www.archemed.org nachlesen.
Unser Ziel war klar: eritreische Assistenzärztinnen/-ärzte und Optometristinnen/-risten direkt am Patienten auszubilden. Orthoptist/-innen gibt es in Eritrea nicht.
Dafür wurden uns 150 ausgewählte Patientinnen und Patienten vorgestellt, jeweils mit konkreten Fragestellungen: Welche Schielform liegt vor? Was steckt dahinter? Was ist die beste Therapie? Und wann ist eine Operation sinnvoll?
Was uns begegnete, war medizinisch vertraut, und menschlich doch ganz anders intensiv. Die Diagnosen unterschieden sich kaum von dem, was wir aus Deutschland kennen: Esotropien, Exotropien, Vertikaltropien (Surso-/Deorsoadduktion), angeborene Motilitätsstörungen, Nystagmen, Kopfzwangshaltungen, und Schielstellungen nach Traumata, etwa nach Bombenverletzungen.
Bei nahezu jeder Untersuchung standen fünf bis sieben eritreische Kolleginnen und Kollegen mit im Raum. Nicht als stille Beobachter, sondern mitten im Gespräch: Es wurde gefragt, erklärt, wiederholt, diskutiert. Untersuchungsschritte, Befunde, die Einordnung der Schielform und die Konsequenzen für Therapie oder OP-Indikation. Man spürte: Hier will jemand wirklich verstehen, nicht „zuschauen“, sondern lernen.
Und die Patientinnen und Patienten? Unglaublich geduldig. Trotz langer Wege, trotz Wartezeiten, immer ein Lächeln im Gesicht, eine Geste der Dankbarkeit.
In der zweiten Hälfte unseres Aufenthalts wurde es praktisch im OP: an 85 Augenmuskeln wurden von Dr. Rolf Wojnar OP´s durchgeführt, in enger Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Genau so ist dieses Projekt gedacht: nicht „wir machen“, sondern wir machen gemeinsam. Damit das Know-how wächst, Schritt für Schritt.
An den Samstagen untersuchten wir Kinder an der Sehbehinderten-/Blindenschule in Asmara. Einige Kinder hatten noch einen Sehrest. Und für sie konnten wir etwas sehr Konkretes tun: vergrößernde Sehhilfen, die wir mitgebracht hatten, zeigen, anpassen, ausprobieren lassen.
In einem Gespräch mit dem Direktor wurde außerdem deutlich, wie entscheidend Förderung ist: Neben der dort vor allem gelehrten Braille-Schrift ist es für viele Kinder mit Sehrest enorm wichtig, auch Schwarzschrift zu lernen, als Schlüssel zu mehr Selbstständigkeit und späteren Chancen.
Dieses Projekt ist ein echtes „Hilfe zur Selbsthilfe“-Projekt. Es läuft erfolgreich, weil es nicht nur kurzfristig hilft, sondern Strukturen stärkt: Ausbildung, Teamarbeit, Versorgung vor Ort.


