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Legasthenie – Aktueller Forschungsstand international

Legasthenie – Aktueller Forschungsstand international

Unter der Legasthenie versteht man eine massive und lang andauernde Störung des Erwerbs der Schriftsprache. Die betroffenen Personen (Legastheniker) haben Probleme mit der Umsetzung der gesprochenen zur geschriebenen Sprache und umgekehrt. Als Ursache werden eine genetische Disposition, Probleme der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung, der Verarbeitung der Sprache und vor allem der Phonetik angenommen. Die Störung tritt isoliert und erwartungswidrig auf, d. h. die schriftsprachlichen Probleme entstehen, ohne dass es eine plausible Erklärung wie eine generelle Minderbegabung oder schlechte Beschulung gibt. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie geht davon aus, dass in Deutschland 4 % der Schüler von einer Legasthenie betroffen sind. Bei frühzeitiger Erkennung können die Probleme meist kompensiert werden; je später eine Therapie ansetzt, desto geringer sind in der Regel die Effekte.
Gemäß der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10, der Weltgesundheitsorganisation WHO) wird zwischen der Lese-Rechtschreibstörung (F81.0), der isolierten Rechtschreibstörung (F81.1) und einer kombinierten Störung schulischer Fertigkeiten (F81.3) unterschieden.
Ursache
Zur Entstehung einer Legasthenie können vielfältige Ursachen beitragen, wobei in aller Regel verschiedene Faktoren zusammenwirken. Andererseits führen einzelne Einflüsse, wie z. B. eine genetische Vulnerabilität nicht zwangsläufig zur Herausbildung einer Lernstörung, sondern können durch präventive Maßnahmen im Vorschulalter und weitere intensive Betreuung während der gesamten Schul- und Ausbildungszeit kompensiert werden.
Derzeit werden unter anderem die folgenden Ursachen diskutiert:
Genetik: Da Legasthenie in Familien gehäuft auftritt, wird in jüngerer Zeit verstärkt eine genetische Komponente diskutiert. Da die Konkordanz für Legasthenie bei eineiigen Zwillingen 68 %, bei zweieiigen Zwillingen hingegen nur 38 % beträgt, ist ein substantieller genetischer Einfluss nicht von der Hand zu weisen.[Fischer,S., De Fries,J.; Development Dyslexia, Nature Reviews Neuroscience, 2002] Man vermutet eine polygenetische Ursache mit Bezug zu den Chromosomen 2, 3, 6, 18 und vor allem 15. 2006 hat ein deutsch-schwedisches Forscherteam auf dem 6. Chromosom ein Gen mit der Bezeichnung DCDC2 identifiziert (GeneID 51473), das mit Legasthenie anscheinend deutlich korreliert ist. Es wird angenommen, dass dieses Gen bei der Entwicklung des Gehirns und dabei insbesondere bei der Migration der Nervenzellen im fetalen Gehirn eine Rolle spielt.[Veröffentlichung des Informationsdienstes Wissenschaft][Schumacher,J et al.(2006)] Daneben werden aber auch noch verschiedene andere Gene als Ursache der Legasthenie diskutiert, sodass derzeit nicht von einer monogenetischen Ursache ausgegangen werden kann. Igo RP Jr. et al haben 2005 die Ursachen der komplexen Störung in den Cromosomen 2q,13q,12 und 15 gefunden.
Neurologie: Bereits Neugeborene aus Risikofamilien zeigen abweichende Hirnstrommuster bei der Darbietung sprachlicher und nicht-sprachlicher akustischer Stimuli. [Molfese, D.L., 2000] [Guttorm,T. et al 2001]
Auch bei Schülern und Erwachsenen mit Legasthenie konnten mit Hilfe von bildgebenden Verfahren beim Lesen Abweichungen der Aktivierungsmuster in der Großhirnrinde nachgewiesen werden. Diese betreffen vorwiegend die sprachverarbeitenden Zentren im Schläfen- und Stirnlappen der linken Hirnhälfte, in der im Vergleich zu nicht-legasthenen Personen andere Aktivierungszentren und -lokalisationen zu finden sind. Man beobachtete auch, dass die zuständigen Hirnzentren nicht ausreichend synchron arbeiten oder nicht ausreichend vernetzt sind. Weiterhin liegen Hinweise auf ein Defizit (Breitenbach und Lenhard 2001) in der Verarbeitung schneller Folgen von Stimuli vor, das auf eine weniger effiziente Erregungsweiterleitung in der Seh- und Hörbahn zurückzuführen ist.
In diesem Zusammenhang wurde auch eine Deregulierung der Blicksteuerung beobachtet: Die Blicksprünge (Sakkaden) von Kindern mit Legasthenie sind oft zeitlich unpräziser als diejenigen gleichaltriger Kinder und bis zu 60% der legasthenischen Kinder haben Probleme, ihren Blick bewusst präzise so zu steuern, wie es beim Lesen von Text nötig ist: wenn die laufende Wort- oder Silbenerkennung erfolgreich beendet ist, muss der nächste Blicksprung zum nächsten Wort (Silbe) erfolgen.[Fischer,B. et al. 1998]

Angelika Cordey/Februar 2007

Das exzentrische Sehtraining

Das exzentrische Sehtraining


Augenkrankheiten, welche die zentrale Sehfähigkeit beeinträchtigen, wie z.B. die immer häufiger auftretende Makuladegeneration, reduzieren nicht nur die Sehfähigkeit sondern machen zentrale Sehaufgaben oft unmöglich. Unstetige Suchbewegungen des Auges führen zu Ermüdungserscheinungen, Überanstrengung und sogar Lustlosigkeit. Visuelle Tätigkeiten wie z.B. Nähen, Stopfen, Basteln und Lesen werden vermieden, aber doch vermisst und man fühlt sich von seinen Mitmenschen abhängig. Lebt man allein, erzeugt dies eine gewisse Hilflosigkeit, sein Leben zu meistern.
Manchmal kommt es zu einem Lernvorgang und eine andere Stelle der Netzhaut übernimmt automatisch das Anschauen von Objekten. Das ist meist das Areal, wo noch das beste Sehvermögen vorhanden ist. Es ist oft jedoch nicht das optimalste zum Lesen. Denn um flüssiges Lesen erreichen zu können, muss das genutzte Areal auch über eine gewisse Ausdehnung verfügen, so dass immer mehrere Buchstaben gleichzeitig sichtbar sind. Worte können nacheinander durch Folgebewegungen erfasst werden, was eine flüssige Lesefähigkeit ermöglicht. Ist die genutzte Ausweichstelle auf der Netzhaut kleiner als 4-5°, so werden nur einzelne Buchstaben erkannt, die Wortzusammenhänge fehlen und es kommt zu einer stockenden Lesefähigkeit. Bei vorgegebener Vergrößerung wird dieses Problem noch verstärkt, weil noch weniger Buchstaben in das vorhandene Areal passen.
Durch das exzentrische Sehtraining kann durch strukturierte Trainingseinheiten flüssige Lesefähigkeit wiedererlangt werden und die Benutzung von optischen Sehhilfen, wie Lupen, die vorher nur mit Einschränkung eine Hilfe bedeuteten, verbessert werden. Dies fördert die Mobilität und die Selbständigkeit. 
Bei der Sehfunktionsuntersuchung werden sowohl die Ausdehnung des Zentralskotoms, als auch die noch funktionsfähigen Netzhautareale, festgestellt. Dies geschieht zunächst durch eine Gesichtsfelduntersuchung. Danach wird bei verschiedenen Sehaufgaben ein Fixationstest durchgeführt. Dieser gibt Aufschluss über die unterschiedlichsten Ausweichareale auf der Netzhaut und deren Ausdehnung. Um eine geeignete Lesestelle zu finden, werden die einzelnen Untersuchungsergebnisse miteinander verglichen. Mit der betroffenen Person werden verschiedene Leseeinstellungen ausprobiert und besprochen. Die am besten geeignete Stelle kann daraufhin für das exzentrische Sehtraining verwendet werden.
Das exzentrische Sehtraining setzt sich aus mehreren Lesetrainingseinheiten zusammen. Ein neues Computerprogramm hierfür ermöglicht ein wiederholtes selbstständiges Üben zu Hause. Dadurch ist bis zu einer Sehschärfe von mind. 0,05 (und sogar manchmal bis 0,03) das Lesen von Zeitungsdruck mit einer Speziallesebrille (Hyperokular) in einem kurzen Leseabstand erreichbar. Dies wird Schritt für Schritt über einen Zeitraum von ca. 3 bis 4 Wochen eingeübt. Die Kosten der zu verordnenden Brille trägt im Regelfall die Krankenkasse. Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte an unten genannte Ansprechpartner oder anderer Einrichtungen, die diesen Service anbieten.
Das Ziel des exzentrischen Sehtrainings ist es eine mobile Lesefähigkeit für unterwegs und zu Hause zu erreichen. Außerdem kann nach erfolgreichem Training zur  Orientierungshilfe im Straßenverkehr ein Monokular angepasst werden. Für Sehaufgaben in einem mittleren Abstand (ca. 40-50 cm) können zusätzlich entsprechende optische Sehhilfen besser angepasst und ausgenutzt werden.
Ansprechpartner:         Tel.: 0371-3344258
Petra Oertel-Verweyen, Orthoptistin / Sehfunktionstherapeutin 
petra.oertel-verweyen@sfz-chemnitz.de
Ulrike Meinhold, Dipl.-Ing. (FH) Augenoptik
ulrike.meinhold@sfz-chemnitz.de

Amblyopie – Aktueller Forschungsstand international

Amblyopie – Aktueller Forschungsstand international

Okklusion verbessert oft die Sehschärfe nicht ausreichend. Als Grund dafür wurde die mangelnde Compliance vermutet. In Studien (MOTAS, ERPAG) ist es jetzt möglich, die tatsächlich durchgeführte Therapie elektronisch zu erfassen. Entsprechende Geräte wurden in England (Fielder u. Mitarbeiter 1994) und den Niederlanden (Simonsz u. Mitarbeiter 1997) entwickelt.
In Kombination mit Fragebögen über den sozioökonomischen Hintergrund der Patientenfamilien und über logistische Probleme mit der Therapie wurden kürzlich Gründe für die mangelnde Compliance eruiert (Loudon u. Mitarbeiter 2006). Als ein wichtiger Vorhersagefaktor stellte sich ein Migrationshintergrund mit mangelnden Kenntnissen der Landessprache der Patientenmütter heraus (siehe auch F.A.Z. vom 08.01.2007, Artikel von Frau Lenzen-Schulte).
Unter den klinischen Parametern war eine tiefe Amblyopie ein Risikofaktor für ungenügende Compliance. Mit einem eigens für die Studie entwickelten Informations- und Belohnungsprogramm für die Patienten und deren Eltern, ließ sich die Therapiezuverlässigkeit verbessern (Loudon u. Mitarbeiter 2006). Mit objektiven Complinacedaten wird eine Dosis-Wirkungsbeziehung der Okklusionstherapie erarbeitet (Stewart u. Mitarbeiter2004, 2005).
Angelika Cordey/Orthoptistin
Dr. Maria Fronius/ Leiterin der Forschungseinheit „Sehstörungen des Kindesalters an der Uni-Ak Frankfurt/M.

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